Erfahrungsbericht
Ein Tag im Bikepark Hahnenklee – So fühlt sich das an
Ankommen und Vorfreude
Samstagmorgen, kurz nach neun. Der Parkplatz an der Bocksberg-Talstation füllt sich bereits. Bikes werden von Dachträgern gehoben, Protektoren angezogen, Helme justiert. Die Stimmung ist entspannt – man nickt sich zu, tauscht ein paar Worte über den Streckenzustand aus. Das ist das Erste, was mir am Bikepark Hahnenklee auffällt: Hier gibt es keinen Elitarismus. Vom 14-jährigen Nachwuchsfahrer bis zum Endurist Mitte 50 – alle teilen denselben Lift und dieselbe Leidenschaft.
Am Schalter lösche ich den Tagespass, hänge mein Bike in die Seilbahn ein und gleite nach oben. 164 Höhenmeter in wenigen Minuten – währenddessen liegt mir der halbe Oberharz zu Füßen. der Oberharz breitet sich aus, und irgendwo dazwischen die Umrisse der Stabkirche.
Die erste Abfahrt: Sanft starten
Oben angekommen orientiere ich mich erst einmal. Die Beschilderung ist gut – grüne Pfeile weisen den Weg zum Anfängertrail. Die Strecke ist breit, die Kurven fließen, keine bösen Überraschungen. Perfekt, um warmzuwerden und das Gelände zu lesen. Der Boden ist eine Mischung aus festem Schotter und Waldboden, zwischendurch ein paar sanfte Wellen und Anliegerkurven, die zum Pumpen einladen. Nach drei Minuten stehe ich unten und merke: Das Grinsen bekomme ich heute nicht mehr weg.
Steigerung: Wenn der Trail zubeißt
Nach zwei weiteren Aufwärmrunden wage ich mich an die blau und rot markierten Strecken. Hier ändert sich der Charakter schlagartig. Die Trails werden schmaler, Wurzelteppiche und Steinfelder fordern Konzentration, die Gefälle werden steiler. Besonders der mittlere Abschnitt mit seinen natürlichen Felspassagen hat es in sich – hier trennt sich saubere Linienwahl von bloßem Drüberbolzen. An einer technischen Schlüsselstelle halte ich kurz an, beobachte andere Fahrer und probiere verschiedene Lines aus. Genau das macht einen guten Bikepark aus: Man kann sich Stück für Stück steigern, ohne sich zu überfordern.
Pause an der Talstation
Nach fünf Abfahrten melden sich die Unterarme. Zeit für eine Pause an der Talstation, wo sich eine kleine Biker-Oase gebildet hat. Hier sitzen Fahrer auf Holzbänken, trinken Kaffee, tauschen GoPro-Videos und reden über ihre Lieblingsstrecken. Ein Vater erklärt seinem Sohn, wie man eine Anliegerkurve richtig anfährt. Zwei junge Frauen planen gerade ihre erste schwarze Abfahrt. Diese Atmosphäre – dieses unkomplizierte Miteinander – ist für mich der Herzschlag des Bikeparks Hahnenklee.
Die letzte Abfahrt des Tages
Am Nachmittag, nach acht oder neun Runs, gönnen sich die Beine eine letzte Seilbahnfahrt. Ich wähle bewusst nochmal den Flow-Trail: Diesmal geht es nicht um Geschwindigkeit, sondern darum, jeden Meter aufzusaugen. Das Licht fällt schräg durch die Fichten, der Trail windet sich in weichen Bögen talwärts, und ich realisiere, dass genau das der Grund ist, warum ich immer wieder herkomme. Es ist nicht nur der Adrenalinkick – es ist dieses Gefühl von Freiheit im Wald.